Die traurige Geschichte vom orange-roten Haus

Nur einen Steinwurf vom „Sanatorio de Abona“ entfernt, findest du dieses farbenfrohe Haus, das du schon von weitem sehen kannst. In dem Gebäude – das oberhalb des Strandes „Los Cardones“ liegt – war einst die Militärverwaltung ansässig. Nachdem diese das Haus aufgegeben hatte, passierten hier fragwürdige Dinge…

ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.

Das orange-rote Haus gehört (oder gehörte ???) zum Besitz eines Italieners, der schon vor vielen Jahren die „Geisterstadt“ und das gesamte Arial rund um das „Sanatorio de Abona“ aufgekauft hat. Während sich für sehr lange Zeit auf dem Gelände nicht veränderte, zog dann im Jahre 2011 eine Wohltätigkeitsorganisation namens „Amigos de Lourdes“ in das orange-rote Haus ein, um dort Drogenkranken die Möglichkeit zur Lebensveränderung zu geben und sie zu resozialisieren. Die neuen Bewohner des Hauses zeigten Engagement und halfen dabei, die Strände zu säubern. Auch auf dem einstigen Übungsgelände des Militärs leisteten sie ganze Arbeit und befreiten die Anlage von den Hinterlassenschaften der Truppen, genauer gesagt, von Metallen und Stacheldraht. Auch das orange-rote Haus präsentierte sich zu dieser Zeit von seiner besten Seite und machte einen gepflegten Eindruck – ohne Schäden, ohne teils sinnfreie Schmierereien …

Leben, Aufbruch und Zerfall

Das orange-rote Haus schien ein schöner Ort zu sein. Einer, an dem sich Menschen von schlechten Zeiten erholen konnten, um ein neues Leben zu beginnen. Ein Ort, an dem man willkommen war. Die Frauen und Männer, die dort wohnten, lebten dort zusammen mit mehreren Hunden. Was ich persönlich als etwas sehr Positives betrachte. Es soll, so zumindest heißt es, dann jedoch genau wegen diesen Hunden, oder wegen dem, was von Zeit zu Zeit aus ihnen herauskommt, zu Konflikten mit Strandbesuchern gekommen sein. Die nämlich fühlten sich sich durch herumliegende Häufchen gestört. Weiterhin hieß es, dass die Bewohner des Hauses, das Meer als Badewanne genutzt hätten und sich dadurch sehr viel Schaum ansammelte, der Strandbesuche oder ein erfrischendes Bad im Atlantik unmöglich machte. War das so?

Was passierte im Oktober 2015 ?

Zu welchen Streitereien und Konflikten es zu dieser Zeit möglicher Weise noch gekommen war, ist unklar. Fest steht jedoch, dass die Bewohner des orange-rotes Hauses im Oktober 2015 plötzlich verschwunden waren. Was zurückblieb, waren große Mengen an Nahrungsmittel, Kleidung, kaputte Möbel und vieles mehr. Was mich persönlich am meisten wundert, ist die Tatsache, dass in dem Haus mehrere Ausweise, Führerscheine und Sozialversicherungsausweise gefunden wurden, die offensichtlich Eigentum der Menschen waren, die dort gelebt hatten. Würdest du deinen Ausweis oder deinen Führerschein zurücklassen, wenn du einen Ort verlässt, an den du nicht mehr zurückkehren wirst? Ich würde das nicht tun! Was war passiert?

Verdorbene Lebensmittel 

Ganze 1000 Kilo Lebensmittel soll die staatlichen Lebensmittelhilfe – die „Banco de Alimentos de Tenerife“ – den Menschen im roten Haus gespendet haben. Als die Bewohner das Haus schon verlassen hatten, wurden dort die meisten dieser Nahrungsmittel – bereits in verdorbenem Zustand – gefunden. Im (und um das Haus herum) hatte sich ein übler Geruch verbreitet. Nachdem sich zunächst niemand für die dringend notwendige Entsorgung verantwortlich zu fühlen schien, einigte sich die Gemeinde dann schließlich mit den „Amigos de Lourdes“. Die Organisation veranlasste die Entsorgung der vergammelten Lebensmittel. Alle anderen Sachen verblieben jedoch im Haus. 

Amigos de Lourdes: Welche Freunde, bitte ?

Die „Amigos de Lourdes“ betrieben – oder betreiben ??? – viele Jahren lang auf Gran Canaria (im Ort San José de Álamo) ein Haus für Menschen, die sich in einer Notlage befinden. Ganz gleich ob sie unter Suchtproblemen mit Drogen oder Alkohol leiden oder ob sie auf der Straße leben: Bei den „Amigos de Lourdes“ findet jeder, der es braucht, ein Zuhause. Hört sich gut an, findest du nicht auch? Ob es das tatsächlich auch ist, kann ich nicht beurteilen. Im Internet habe ich einige Kommentare zu der Einrichtung entdeckt, ein paar davon sind gut, andere dagegen mehr als besorgniserregend. Das hat mich neugierig gemacht. Leider war es mir bisher jedoch nicht möglich, jemandem zu finden, der dort gelebt oder gearbeitet hat. Aber: Ich versuche es weiter, in der Hoffnung etwas mehr über die Organisation, ihre Arbeitsweise und über ihren Umgang mit den Menschen, die sich aus Bedürftigkeit an die „Amigos de Lourdes“ wenden, zu erfahren.

ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.
ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.
ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.

Was soll ich noch schreiben: „El Día Televisión“ war vor Ort, hat dort Aufnahmen gemacht und ein Video auf YouTube veröffentlicht, auf dem du sehen kannst, in welch unglaublichem Zustand das orange-rote Haus war, nachdem die „AMIGOS DE LOURDES“ das Gebäude – fluchtartig ??? – verlassen hatten. Um den Film anzusehen, musst du lediglich auf den roten YouTube-Button klicken. Im Video wird Spanisch gesprochen. Verstehst du nichts, mach den Ton aus und lass die Aufnahmen auf dich wirken, denn die sprechen für sich!

Das orange-rote Haus hat ausgedient. Niemand kümmert sich mehr um das Gebäude. Es ist dem Zerfall und der Zerstörung ausgesetzt. Was ich bisher nicht in Erfahrung bringen konnte – aber nur zu gerne wissen würde – ist die Antwort auf die Frage, nach dem derzeitigen Eigentümer des traurigen Hauses. Haben die „Amigos de Lourde“ dem Italiener das Haus abgekauft? Hatten sie es gemietet?