Sanatorio de Abona: Leprakolonie oder Potemkinsches Dorf ?

Im Süden der Teneriffas findest du das „Sanatori de Abona“. Der Ort, der auf einem Hügel oberhalb von Abades liegt, sollte einst zu einer Leprakolonie werden, in der Kranke behandelt und von der Außenwelt isoliert werden konnten. Die Station wurde im Jahre 1943 geplant – die Bauarbeiten begannen noch im selben Jahr. Dank neuer und innovativer Behandlungsmethoden konnte die Lepra auf den Kanarischen Inseln jedoch besiegt werden, bevor die Kolonie fertig gestellt werden konnte. So zumindest lautet die Geschichte, die am weitesten verbreitet ist. Es gibt jedoch Einheimische, für die Existenz des Ortes eine ganz andere Erklärung haben: Die „Geisterstadt“, so zumindest wurde mir berichtet, soll einzig und allein erbaut worden sein, um eine darunter liegende Bunkeranlage zu verdecken, die der einstige spanische Diktator Francisco Franco als Rückzugsort nutzte. Ein Potemkinsches Dorf? Kann das tatsächlich so sein? 

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Müsste es dann nicht noch (sichtbare) Zugänge zu der unterirdischen Bunkeranlage geben? Angebliche sollen alle Eingänge zur „Unterwelt“ im Jahre 1975 (nach Francos Tod) verschüttet worden sein. An der einen oder anderer Stelle, so heißt es, soll es jedoch noch heute möglich sein, in die unterirdische Bunkeranlage hinabzusteigen. Wo genau diese Zugänge sind, will dann aber niemand wissen. Okay … Ich war in meinem Leben schon viele Male in der „Geisterstadt“, denn sie gehört zu meinen Lieblingsorten auf Teneriffa, aber eine magisches Tor, das mir den Weg in ein mögliches Versteck des einstigen Machthabers Franco eröffnet hätte, habe ich nie gefunden. Und: Natürlich habe ich mehr als nur einmal danach gesucht! Wie auch immer … Zumindest ist es eine spannende Geschichte, deren Wahrheitsgehalt jedoch – zumindest für mich – nicht überprüfbar ist.

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Wer dennoch davon überzeugt ist, dass die Anlage nur eine Attrappe war, die lediglich dazu diente, Francos Rückzugsort zu tarnen, der findet dafür Anhaltspunkte, die darauf hinweisen könnten, das an der Geschichte vom Potemkinschen Dorf doch etwas dran sein könnte. So heißt es, man habe auf dem Gelände des Sanatorios nicht nur einen Stromverteiler entdeckt, sondern auch eine große Kompressoranlage gefunden, die dazu gedient haben soll, Francos unterirdischen Bunker zu belüften. Das Krematorium, das zur Verbrennung der Toten der Leprakolonie dienen sollte, hätte diesen Zweck – mangels Schornstein – nie erfüllen können. Wer weiß! Bekannt ist lediglich, das Francisco Franco eine ganz besondere Vorliebe für die Insel Teneriffa hatte. Wenn sich der unbeliebte Diktator also eine Bunkeranlage gewünscht hätte, in die er sich hätte zurückziehen können, dann hätte er sie vermutlich tatsächlich auf der sonnigen Atlantikinsel errichten lassen … 

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Sicher ist nur eins: Bei der Anlage handelt es sich um keine mysteriöse Geisterstadt, in der es spukt. Lediglich Touristen geistern durch die alten Gebäude des Sanatorio de Abona. Erschrecken können einen hier nur die „Models“ einiger Hobbyfotografen, die versuchen, sich professionell in Szene zu setzen und dabei nicht selten etwas „spooky“ wirken – um es mal nett auszudrücken 😉 Einfach mal beobachten … es ist tatsächlich lustig, was ihr hier an manchen Tagen zu sehen bekommt!

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
DIE VERLASSENE KIRCHE VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Weit weniger verstörend (und zudem viel gesünder) ist da ein ausgedehnter Spaziergang über das riesige – ganze 900 000 m² große – Gelände. Ihr könnt zum Meer hinunter gehen und bis zum Leuchtturm Punta de Abona laufen. Vergesst nicht euch etwas zu trinken mitzunehmen, denn Geschäfte gibt es hier nicht. Wer etwas einkaufen möchte, muss runter nach Abades. 

TENERIFFA:DIE VERLASSENE KIRCHE VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Solltest du hier und da ein paar Einschusslöcher entdecken, dann zeugt auch das nicht von mysteriösen Vorkommnissen. Es handelt sich dabei um die „Hinterlassenschaften“ des spanischen Militärs, das Häuser und Gelände zum Training seiner Soldaten nutze. Denn bis zum Jahre 2002 gehörte das Sanatorio de Abona dem Verteidigungsministerium. Und dann?

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

¡ MADRE MIA ! WER BRAUCHT DENN SOWAS ???

Das gesamte Gelände wurde verkauft. An einen Italiener: Alberto Giacomini (www.giacomini.com) möchte hier eine Ferienanlage mit Golfplätzen errichten. Obwohl er bereits fast 20 Jahren Eigentümer des Areals ist, ist bisher noch nichts passiert. Zum Glück!

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Hoffen wir, dass Giacomini sein Vorhaben überdenkt, damit auf dem Grundstück etwas SINNVOLLES & GUTES entstehen kann!

TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.
GRAFFITI: GEISTERSTADT VON ABADES.
TENERIFFA: SANATORIO DE ABONA - DIE GEISTERSTADT VON ABADES.

Wunderschön und angeschlagen …

Nur einen Steinwurf vom Sanatorio de Abona entfernt, findest du dieses farbenfrohe Haus, das du schon von Weitem sehen kannst. In dem Gebäude – oberhalb des Strandes „Los Cardones“ – war einst die Militärverwaltung untergebracht. Nachdem diese das Haus aufgegeben hatte, passierten hier fragwürdige Dinge … 

ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.
ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.
ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.
ABADES: DAS ORANGE-ROTE HAUS.